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| Harun Al-Rashid |
Harun al-RashidHarun ar-Raschid (Harun der Rechtgeleitete), in Deutschland auch in der Schreibweise Harun al-Raschid oder einfach als "Aaron" bekannt, arabisch: هارون الرشيد, ( - etwa 763; † 809 in Tus) stammte aus dem Geschlecht der Abbasiden und war von 786 bis 809 Kalif. Der Name Harun ist die arabische Form von Aaron. Harun verbrachte seine Kindheit in der Stadt Balkh, und wuchs dort unter der Obhut der mächtigen Dynastie der Barmakiden auf. An die Macht gelangte er 786, als er seinen Bruder Al-Hadi, der nur ein Jahr regiert hatte, vom Thron stieß und ermorden ließ.
Zu seiner Zeit stand das Kalifat politisch, wirtschaftlich und kulturell auf dem Höhepunkt. Das riesige Reich war in ar-Raschids Hand zentralisiert und trotz dessen Verschwendungssucht und der Steuerlast der damals höchstentwickelte Staat der Erde (einige Forscher nennen jedoch auch China oder Byzanz in dieser Rolle). Die politische Stabilität wurde vor allem durch das Wesirat der Barmakiden gesichert. Nach China (798 Haruns Gesandtschaft in Chang-an), Indien und Europa reichende Handelsbeziehungen kennzeichneten diese Zeit. Der Islam breitete sich erneut in gewissen Grenzen (wenn auch vorwiegend innerhalb des Reiches) aus. Harun war Zeitgenosse Karls des Großen, mit dem er eine Gesandtschaft austauschte.
Ähnlich wie vor ihm schon Umar Ibn Abd al-Aziz ordnete ar-Raschid 807 an, daß alle Juden und Christen Kennzeichen an der Kleidung zu tragen hätten.
Nachdem ar-Raschid schon als Prinz an erfolgreichen Feldzügen gegen Byzanz teilgenommen hatte, wurde das byzantinische Anatolien auch nach seiner Regierungsübernahme verwüstet, Zypern erobert (805) und hohe Tribute erzwungen. Trotz dieser Erfolge machten sich in den Randgebieten erste Auflösungstendenzen bemerkbar. So musste die faktische Unabhängigkeit der Rustamiden in Algerien (787) und der Aghlabiden in Ifriqiya (800) anerkannt werden.
Harun ar-Raschid starb 809 im iranischen Tus während eines Feldzugs gegen die Charidschiten in Sistan. Schon 802 hatte er das Reich zwischen seinen Söhnen al-Amin und al-Mamun geteilt. Diese Thronfolgeregelung sollte zu einer schweren Staatskrise führen.
Unter heutigen Muslimen, vor allem persischer Herkunft, ist er wegen seiner Brutalität und seines Lebenswandels nicht unumstritten, während er im Westen meist als märchenhafte Gestalt wahrgenommen wird (siehe Tausendundeine Nacht).
Kategorie:Märchen
Kategorie:Nahost
Kategorie:Mann
Kategorie:Abbasiden
Kategorie:Kalif
ja:ハールーン・アッ=ラシード
763
Politik und Weltgeschehen
- Herzog Tassilo III. von Baiern verweigert dem fränkischen König Pippin dem Jüngeren die Heeresfolge bei dessem Zug gegen Aquitanien und bricht damit seinen Vasalleneid.
- Sieg der Byzantiner über die Bulgaren.
- Sigered, Mitkönig von Kent, dankt ab. Daraufhin wird Ealmund König über ganz Kent.
- Jaenbert wird Erzbischof von Canterbury.
- Der Abbasiden-General Mugharif geht gegen den Emir von Córdoba, den Umayyaden Abd ar-Rahman I. vor, wird von diesem aber besiegt.
- Der Tang-Kaiser schlägt endgültig die An Lushan-Rebellion nieder, die China mehrere Jahre lang in Unruhe hielt und angeblich über 30 Mio. Menschenleben gekostet haben soll.
- Arbeo, der spätere Freisinger Bischof, wird Abt im Kloster Scharnitz.
- Eine Urkunde im schweizerischen Kloster St. Gallen erwähnt erstmals die Brache (Dreifelderwirtschaft).
- Erste urkundliche Erwähnung von Pasing, Saulheim, Schöngeising und Imst.
- um 763 - Kalif Harun ar-Raschid († 809), regierte von 786 bis 809
-
ko:763년
809
Politik und Weltgeschehen
- Gründung der Burg Esesfelth an der Stör (westlich von Itzehoe) durch Karl den Großen. Erste fränkische Befestigung nördlich der Elbe.
- Saga wird japanischer Kaiser und folgt Heizei auf den Thron.
- Erste urkundliche Erwähnung des Ortes Wevelinghoven an der Erft
- Walahfrid Strabo von der Reichenau († 849)
- 26. März - Liudger, Bischof von Münster ( - um 742)
- Harun ar-Raschid, Kalif der Abbasiden seit 786)
ko:809년
AbbasidenDie Dynastie der Abbasiden löste 750 die Umayyaden in der Regierung des Kalifats ab. Sie wurden wie die Umayyaden und später die Osmanen, von fast allen Sunniten anerkannt.
Gründe des Dynastiewechsels
Die abbasidischen Kalifen kamen durch eine Bewegung an die Macht, die sich gegen die damals von vielen Muslimen als zu weltlich angesehenen Umayyaden richtete. Diese repräsentierten eher die alte mekkanische Aristokratie. Deshalb wird der Übergang von den Umayyaden zu den Abbasiden von vielen Wissenschaftlern als "konservative Revolution" beziehungsweise "abbasidische Revolution" angesehen. Es ist Konsens, dass mit Beginn der abbasidischen Herrschaft nicht nur ein Dynastiewechsel stattgefunden hat, sondern auch eine Reihe weiterer Veränderungen.
Abu Muslim, ein zum Islam übergetretener Perser eröffnete 747 in Merw/Chorassan den Aufstand und ließ Abu 'l-Abbâs (as-Saffah), einen Nachkommen von Abbas, dem Onkel des Propheten Muhammad zum neuen Kalifen ausrufen.
Zulauf erhielten die Aufständischen vor allem aus der zum Islam übergetretenen persischen/iranischen Bevölkerung, die mit der Herrschaft des arabischen Adels unzufrieden war. Im Vergleich zu den Arabern wurden die persischen Muslime als Bürger zweiter Klasse behandelt, verfügten aber über großen Einfluss in Wirtschaft und Verwaltung und unterhielten zudem Kontakte zu den Schiiten, der Partei Alis. 750 brachen die Abbasiden in der Schlacht vom Großen Zab in Nordirak den letzten Widerstand der Umayyaden unter Kalif Marwan II..
Dem folgenden Massaker an den Umayyaden entkam ein einziger Umayyadenprinz nach Spanien/Andalusien, wo er 756 als Abd ur-Rahman I. das Emirat von Córdoba gründete. Auch wenn Andalusien verloren ging, konnten die Abbasiden 751 in der Schlacht am Talas das gerade erst erworbene Transoxanien gegen die Chinesen behaupten.
Konsolidierung der Macht
Abu 'l-Abbâs as-Saffah starb 754. Sein Bruder und Nachfolger al-Mansur, den viele als den eigentlichen Gründer der abbasidische Dynastie ansehen, ließ Abu Muslim 755 ermorden und organisierte den Staat als persisch/iranisches Großreich. Im Gegensatz zu den Umayyaden stützten sich die Abbasiden bei ihrer Herrschaft vor allem auf Iraner und später auf die Türken. In vier Jahren ließ er bis 762 Bagdad erbauen und machte es aufgrund seiner günstigen Lage zur Hauptstadt. Die Verwaltung wurde sparsam und effektiv organisiert, vollkommen in der Hand des Kalifen zentralisiert und durch ein Spitzelsystem abgesichert. Eine Rebellion der Schiiten im Hedschas wurde (762-763) unterdrückt.
Al-Mansurs Nachfolger al-Mahdi (775-785) begann mit dem Aufbau eines prachtvollen Hofstaates, wobei die Sassaniden Pate standen. In der Verschwendung der Staatsgelder zu Zwecken der Repräsentation wurden die Umayyaden von al-Mahdi bald bei weitem übertroffen.
Unter Harun ar-Raschid (786-809) erreichte die von seinen Vorgängern eingeleitete Entwicklung ihren Höhepunkt. Als Kalif war er zwar nur mittelmäßig, doch sicherte das Wesirat der persischen Barmakiden die Stabilität des Reiches. Dennoch ging nach dem Verlust von Andalusien (756) auch die Kontrolle über den Maghreb verloren als Idrisiden, Rustamiden und Aghlabiden vom Kalifat die faktische Unabhängigkeit erlangten.
Trotz dieser Gebietsverluste profitierte das Reich im 8. und 9. Jahrhundert von einer einzigartigen wirtschaftlichen Expansion, die zur Entwicklung einer blühenden Stadtkultur führte. Menschen aller Berufe siedelten sich in den neuen Wirtschaftszentren an, die Wohlhabenden und die Regierung wurden von einem Spekulationsfieber erfasst. Diesem folgte ein Baufieber welches zur Errichtung neuer Paläste, Märkte und Wohnviertel führte.
Hinzu kam der Handel, der von einer gemeinsamen Sprache, Religion und Staatsangehörigkeit profitierte. Warenströme mit ungeheuren Gewinnen, begleitet von Bankgeschäften kennzeichneten diese Zeit. Selbst ein durchschnittlicher Stoffhändler konnte bis zu 1000 Dinar Erbe hinterlassen. Außerdem zahlten Kaufleute damals nach ihrer Selbsteinschätzung Steuern, bezahlten also viel zu wenig.
Die Landwirtschaft stabilisierte sich in dieser Zeit durch die Erschließung neuer Landstriche mit Hilfe von Bewässerungsanlagen, der Trockenlegungen von Sümpfen und dem nachfolgenden Anbau von Produkten wie Zuckerrohr, Datteln, Orangen und Baumwolle.
Die blühende Stadtkultur führte aber zu sozialen Problemen in der muslimischen Gesellschaft. Irgendwer musste das Geld erarbeiten, welches die wirtschaftliche Expansion ankurbelte. Das Problem blieb an den Bauern hängen. Die Steuerpächter setzten die Abgaben gern willkürlich fest, die ihnen noch dazu im Voraus bezahlt werden mussten. Viele Steuerpächter machten mit Kaufleuten, welche die Ernten aufkauften, gemeinsame Sache: den Bauern wurde viel zu wenig bezahlt und der Gewinn dann geteilt. Die Regierung in Bagdad setzte solche Leute bei Beschwerden sofort ab, aber das reichte nicht aus, denn Bagdad war fern.
Diese Überspannung des Steuersystems hatte die Verschuldung der Bauern zur Folge. Es kam zur Landflucht und zu religiös-sozial geprägten Unruhen (Nordafrika 767 ff., Ägypten 789, 793, Syrien -796, Tabaristan unter dem Aliden Yahya bis 792, Chorassan unter al-Muqanna bis 796, in Aserbaidschan, Sistan und Kirman). Die Unruhen waren für die Truppen des Kalifen nur schwer niederzuschlagen, da alle wichtigen Entscheidungen in Bagdad getroffen werden mussten.
Nach dem Tod Haruns 809 wurde die Macht unter den Brüdern al-Amin (in Bagdad) und al-Ma'mun (in Merw) geteilt. Aber schon 810 kam es zwischen den beiden zum Waffengang, den al-Ma'mun, der Sohn einer persischen Mutter, 813 für sich entschied. Er zog allerdings erst 819 wieder in Bagdad ein und wurde bis zu seinem Tod 833 hauptsächlich durch seine Förderung der Wissenschaft berühmt. Damals übernahmen die Muslime das wissenschaftliche Erbe der Römer und Griechen und entwickelten dieses weiter. Um 830 gründet al-Ma'mun zu diesem Zweck das Haus der Weisheit (bayt al-hikma), das die sunnitische Reaktion seines Nachfolgers al-Mutawakkil (847–861) allerdings nicht überstand.
Auch diese Zeit war von Aufständen begleitet (813 in Bagdad, in Aserbaidschan unter Babak (816-837) und in Tabaristan 840).
Niedergang der Macht
Nach al-Ma'mun regierte sein Bruder al-Mutasim (833-842). Zwei Verschwörungen bewogen ihn 836 zum Bau einer neuen Hauptstadt Samarra und zur Aufstellung einer türkischen Leibgarde. In der Folgezeit waren die Kalifen in Samarra von dieser Garde (vergleiche Mamelucken) vollständig abhängig. Schon Mu'tasims Nachfolger al-Mutawakkil wurde 861 von ihr auf Anstiftung seines eigenen Sohnes ermordet.
Nun wechselten sich in ähnlichen Revolten ständig machtlose Kalifen ab. Ein Kalif flüchtete nach Bagdad und wurde dort 866 belagert und später hingerichtet.
Dazu kam das innere Auseinanderbrechen des Reiches. Die Armee verbrauchte die Hälfte der Staatseinnahmen und verlangte sichere Geldquellen, weshalb schon Ma'mun mit einer persönlichen Lehenvergabe an seinen verdienten General Tahir (in Chorassan) begonnen hatte. In der Folgezeit wurde es üblich, solche Lehen (iqta) an türkische Militärführer zu vergeben, die ihre Ländereien bald als unabhängige Feudalfürsten regierten.
Ende der tatsächlichen Macht
Wegen des Niedergangs der Zentralgewalt wurden die Abbasiden von den
Tahiriden in Chorassan, den Saffariden in Sistan und den Tuluniden in Ägypten nur noch nominell auf Münzen und im Freitagsgebet als Kalifen anerkannt und betrieben ansonsten eine unabhängige Politik. Um 900 beherrschten die Kalifen gerade noch den Irak, den westlichen Iran, Syrien und zeitweise Ägypten. 945 übernahmen die aus dem Iran stammenden Buyiden die Macht in Bagdad, 1055 die Seldschuken unter Tughrul Beg. Erst Mitte des 12. Jahrhunderts konnten die Kalifen al-Muqtafi (1136-1160) und an-Nasir (1180-1225) ihre Autorität wieder herstellen, zu einem Zeitpunkt, als die Mongolen ihr Weltreich errichteten.
Die Abbasiden unter den Mameluken in Kairo
Nach der Eroberung und Zerstörung Bagdads 1258 durch Hülägü, der den letzten dort herrschenden Kalifen al-Mustasim hinrichten ließ, erlosch das Kalifat der Abbasiden zunächst. Allerdings gelang dem Abbasiden-Prinzen al-Mustansir, einem Onkel des letzten Kalifen, die Flucht nach Ägypten, wo ihn der soeben zur Macht gelangte Mamelucken-Sultan Baibars als nächsten Kalifen einsetzte. Allerdings dienten die Abbasiden allein der Herrschaftslegitimation der Mamelucken und hatten keinerlei politischen Einfluss. Nur al-Mustain (1406-1414) konnte 1412 kurzfristig politische Macht erringen, als er zum Sultan von Ägypten proklamiert wurde. Allerdings wurde er noch im gleichen Jahr wieder abgesetzt.
Das Ende des abbasidischen Titular-Kalífats durch die Osmanen
Der letzte Abbasiden-Kalif al-Mutawakkil III. (1508-1516, erneut 1517) wurde, nachdem Ägypten vom osmanischen Sultan Selim I. erobert und das Mamelucken-Sultanat beseitigt worden war, von Kairo nach Istanbul verbracht, wo sich seine Spur und die der gesamten Dynastie in den Folgejahren (spätestens um 1543) verliert. Seit dem 19. Jahrhundert reklamierten die Osmanen, das Kalifat sei bereits mit der Eroberung Ägyptens 1517 von den Abbasiden auf die Osmanen übergegangen. Zumindest hatten bereits die Sultane des 16. Jahrhunderts offensichtlich kalifenähnliche Titel übernommen.
Literatur
- Ulrich Haarmann (Hg.); Geschichte der Arabischen Welt, C.H. Beck, München 2001 (mehrere Auflagen).
- Hattstein und Delius; Islam, Kunst und Architektur, Verlag Könemann, 2000.
- Stephan und Nandy Ronart; Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, München-Zürich 1972.
- Islam I.; Fischer Weltgeschichte Band 14, Fischer Verlag, 1968
Kategorie:Dynastie
Kategorie:Arabische Geschichte
Kategorie:Persien
ja:アッバース朝
ms:Kerajaan Bani Abbasiyyah
809
Politik und Weltgeschehen
- Gründung der Burg Esesfelth an der Stör (westlich von Itzehoe) durch Karl den Großen. Erste fränkische Befestigung nördlich der Elbe.
- Saga wird japanischer Kaiser und folgt Heizei auf den Thron.
- Erste urkundliche Erwähnung des Ortes Wevelinghoven an der Erft
- Walahfrid Strabo von der Reichenau († 849)
- 26. März - Liudger, Bischof von Münster ( - um 742)
- Harun ar-Raschid, Kalif der Abbasiden seit 786)
ko:809년
KalifDas Kalifat (abgeleitet aus dem arabischen khilâfa bzw. khalîfa rasûl Allâh (); arabisch khalîfa, Plural khulafâ’ "Nachfolger, Stellvertreter, Kalif", wörtlich also "die Nachfolger des Gesandten Gottes". Allerdings wurde unter Auslassung des Wortes rasûl schon unter den Umayyaden der Titel in khalîfat Allâh , "Stellvertreter Gottes [auf Erden]" geändert) ist eine islamische Regierungsform, bei der säkulare und geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind.
Mohammeds Lehre basierte nach seiner Auswanderung nach Medina auf einem theokratischen Modell: er war sowohl der Führer der religiösen Bewegung, als auch der Herrscher über den Machtbereich, in dem dieser Glauben gelebt wurde. Das Kalifat war somit nicht nur ein Amt, es wurde auch mit dem Machtbereich gleichgesetzt, dem Reich des Kalifen.
Siehe auch: Liste der Kalifen
Liste der Kalifen
Geschichte
Die Anfänge
Mohammed besaß keine direkten männlichen Nachkommen und hatte auch keinen Nachfolger bestimmt oder eine Prozedur zu dessen Wahl festgelegt. Nach seinem Tod 632 trafen sich die muslimischen Führer der Gemeinden. Ein Teil von ihnen vertrat die Meinung, Mohammed habe seinen Schwiegersohn Ali ibn Abi Talib zu seinem Nachfolger auserkoren. Der Großteil der Muslime war davon nicht überzeugt und legte erste Richtlinien für die Nachfolge fest. Demnach musste der Nachfolger des Propheten ein Araber aus dem Stamm Mohammeds (den Quraisch) sein, der zum einen für die Einhaltung der Regeln des islamischen Glaubens verantwortlich war, zum anderen die Verbreitung der Bewegung mit allen Mitteln, auch durch den Dschihad genannten Krieg, vorantreiben sollte. Die Mehrheit der muslimischen Führer wählte Abu Bakr, den Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, zum Nachfolger des Propheten. Dieser nahm den Titel chalifat rasul allah an.
634 wurde Umar ibn al-Chattab zum zweiten Kalifen gewählt. In seiner Amtszeit dehnte sich die Macht der Muslime auf Syrien (635-636), den Irak/Mesopotamien (636) und Ägypten (639-642) aus. Nach dem Sieg der Muslime bei Nehawend (südlich von Hamadan) brach das Reich der Sassaniden im Iran endgültig auseinander (siehe Islamische Expansion).
Uthman ibn Affan, ein Schwiegersohn Mohammeds, wurde 644 zum dritten Kalifen gewählt. Bedeutung erlangte seine Regierungszeit vor allem durch die endgültige Abfassung des Koran. Er setzte aber auch die Expansionen seines Vorgängers fort. So wurde Tripolitanien (heute Libyen; 647) und weitere Teile des Iran erobert sowie erste Vorstöße nach Anatolien unternommen. Doch mit der Zeit machte er sich durch die Bevorzugung seiner Sippe (Umayyaden) bei der Ämter- und Beuteverteilung etliche Feinde, insbesondere unter den Heerführern und Muslimen der eroberten Gebiete. 656 wurde er von aufständischen Muslimen aus Ägypten und dem Irak in Medina ermordet.
Uthmans Gegner waren vor allem die Anhänger des bereits erwähnten Ali ibn Abi Talib, die Schiiten (aus dem arab. schiat ali, Partei Alis). Diese und die aufständischen Führer wählten Ali auch zum Kalifen. Doch Muawiya, der Statthalter von Syrien aus der Sippe der Umayyaden und damit ein Verwandter Uthmans, verweigerte die Gefolgschaft. Als es zum Ausbruch der Kämpfe kam, einigte man sich nach der Schlacht von Siffin auf Verhandlungen.
Eine Gruppe von Muslimen, die sich später Charidschiten nannte, sah darin eine Postenschacherei und eine große Schande und verließ das Lager Ali ibn Abi Talibs. 661 fiel Ali einem Attentat dieser Gruppe zum Opfer. Dessen Sohn Hassan verzichtete auf seinen Herrschaftsanspruch als er die Übermacht der Umayyaden erkannte. Muawiya begründete nun die Dynastie der Umayyaden-Kalifen. Hassans Bruder Husain erhob jedoch nach dem Tod von Muawiya I. Anspruch auf das Kalifat. Er wurde aber in der Schlacht von Kerbela (680) geschlagen.
Das Kalifat der Umayyaden
Nach der Machtübernahme der Umayyaden unter Muawiya mussten diese sich auch in der Folgezeit immer wieder gegenüber Oppositionsbewegungen behaupten. Umstritten war dabei die Legitimation der Umayyaden, denen u.a. vorgeworfen wurde in der Anfangszeit des Islams zu den heftigsten Gegnern des Propheten Mohammed gezählt zu haben. Nach der Befriedung des Kalifats konnten die Muslime ihre Expansion wieder aufnehmen. So wurde unter Abd al-Malik und al-Walid I. zu Beginn des 8. Jahrhunderts der Maghreb, Andalusien, Transoxanien und das Industal erobert. Damit erreichte das Kalifat seine größte Ausdehnung. Trotz dieser Erfolge dauerte die Opposition vieler Muslime an. Als sich nach 744 die Umayyaden durch interne Machtkämpfe schwächten, wurden sie durch den Aufstand des Abu Muslim gestürzt, der 749 die Dynastie der Abbasiden an die Macht brachte.
Das Kalifat der Abbasiden
Nach dem Sturz der Umayyaden durch die Abbasiden entwickelte sich der Irak mit der neuen Hauptstadt Bagdad zum politischen Zentrum des Kalifats. Zugleich wurde Bagdad, vor allem unter Harun al-Raschid (786-809), zu einem, wie es in den Geschichten Scheherazades in dem Buch Tausendundeine Nacht beschrieben wurde: eine vor Prunk und Reichtum strotzende Stadt und ein Zentrum der Kultur und Naturwissenschaften. Im 9. Jahrhundert hatte das Kalifat seine Blütezeit erreicht. Doch die Ausdehnung und die Bürokratie verlangten ihren Preis: Mehr und mehr gaben die Kalifen die politische Macht an Staatsminister, die Wesire und mittlere Beamte ab.
Dies führte seit Beginn des 9. Jahrhunderts zur Gründung unabhängiger Emirate (u.a. Aghlabiden, Tuluniden, Tahiriden und Samaniden), die nur noch formal der Herrschaft der Kalifen in Bagdad unterstanden. Zu Beginn des 10. Jahrhundert kam es im Maghreb und Andalusien sogar zur Gründung unabhängiger Kalifate (Fatimiden, Umayyaden). Mitte des 10. Jahrhunderts wurden die Kalifen in Bagdad politisch endgültig entmachtet und unterstanden in der Folgezeit der Kontrolle der persischen Buyiden bzw. türkischen Seldschuken (seit 1055). Die Kalifen waren damit nur noch geistiges Oberhaupt der Muslime. Zwar konnten die Kalifen während des 12. Jahrhunderts ihre politische Macht zumindest im Irak zurückgewinnen, doch wurde das Kalifat der Abbasiden mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen unter Hülägü 1258 zerschlagen.
Einigen Abbasiden gelang aber die Flucht nach Ägypten. 1261 wurde ein Prinz der Abbasiden vom Mameluken-Sultan Baibars in Kairo als Kalif eingesetzt. Seine Macht war aber nur spirituell und das teilweise auch nur in der Theorie. Bald trugen diese Kalifen nur noch einen inhaltslosen Titel, den sie 1517 den Osmanen übertrugen.
Das Kalifat der Fatimiden und spanischen Umayyaden
Die schiitischen Fatimiden, der Legende nach Nachfahren von Ali ibn Abi Talib und dessen Frau Fatima (daher der Name), gründeten ihr Kalifat 909 in Ifriqiya/Tunesien und dehnten ihren Machtbereich von Algerien bis Ägypten, Syrien und Sizilien aus. Nachdem sie 1059 zeitweise die Kontrolle über Bagdad errungen hatten begann der Niedergang dieser Dynastie. Sie wurde 1171 durch Saladin beseitigt.
Der letzte Umayyade, der den Massenmord an seiner Familie 750 durch die Abbasiden überlebt hatte, floh nach Andalusien. Dort gründeten seine Nachfahren 929 das umayyadische Kalifat. 1031 zerfiel es aber in mehrere Einzelreiche und erlosch.
Im 12. und 13. Jahrhundert beanspruchten im Maghreb noch die Almohaden und die Hafsiden das Kalifat.
Die Kalifen der Fatimiden und Umayyaden in Andalusien erlangten ebensowenig die allgemeine Anerkennung der Sunniten wie die Kalifen der Almohaden und Hafsiden.
Das Kalifat der Osmanen
Ab dem 13. Jahrhundert beanspruchten immer wieder muslimische Herrscher den Titel Kalif, der aber nun politisch bedeutungslos war. Jedoch gelang es im Jahre 1517 den osmanischen Sultanen das Osmanische Kalifat zu errichten. Erst im 19. Jahrhundert, als mehr und mehr Christen in die muslimischen Gebiete eindrangen, pochten die Sultane auf den Titel als geistiges Oberhaupt, um dadurch die Unterstützung der Muslime außerhalb ihres Machtbereiches zu erlangen. Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg 1918 wurde der Sultan nach der türkischen Republiksgründung 1923 entmachtet. Die türkische Regierung schaffte das Kalifat 1924 endgültig ab.
Das Kalifat nach 1924
Dies erregte die Gemüter der muslimischen Welt. 1924 erhob König Hussain ibn Ali von Hedschas, heute Teil Saudi-Arabiens, seinen Anspruch auf den Titel, da er aus dem Haus des Propheten Mohammed über dessen Urgroßvater Haschim stamme -- was wahrscheinlich sogar der Wahrheit entspricht -- und zudem über Mekka und Medina herrsche. Dieser Anspruch erlosch mit der Eroberung seines Reiches durch König Abd al-Aziz al Saud von Nadschd.
1926 versuchte man, auf einem muslimischen Kongress in Kairo einen neuen Kalifen zu wählen. Doch auch dieser Versuch, das Kalifat neu zu beleben, scheiterte. Nach Ansicht von Experten gab es seither keine ernsthaften Bemühungen, sieht man von den eher lächerlichen Versuchen eines Metin Kaplan und seines Kalifats von Köln einmal ab. Die religiös-politische Bewegung Hizb-ut-Tahrir versucht ebenfalls, das Kalifat neu zu errichten. Sie ist jedoch in allen islamischen Staaten und darüber hinaus verboten.
Das Kalifat der Ahmadiyya
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad gründete 1889 in Qadian die Ahmadiyya-Bewegung im Islam. Er beanspruchte für sich, der verheißene Messias und Mahdi zu sein, und ein Schattenprophet nach dem Vorbild Mohammeds. Nach seinem Ableben 1908 folgten ihm Khalifa genannte Führer der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft. Der Kalif wird auf Lebenszeit gewählt. Aktuell ist (seit 22. April 2003) Hazrat Mirza Masroor Ahmad der Khalifatul Masih V. (der 5. "Kalif des Messias") in London.
Im Unterschied zu anderen islamischen Gruppen hat der Khalifa der Ahmadiyya nur spirituelle Funktionen als geistliches Oberhaupt.
Das Kalifat von Omdurman
Die Nachfolger des sudanesischen Rebellenführers Muhammad Ahmad al-Mahdi bezeichneten sich ebenfalls als Kalifen. Insbesondere Abdallahi ibn Muhammad, der sich 1891 an die Spitze der sudanesischen Mahdi-Bewegung setzen konnte, ist im Sudan noch heute unter der Bezeichnung al-Khalifa bekannt. Der frühere Palast Abdallahis ist heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Omdurman.
Theorie des Kalifats
Nach orthodoxer islamischer Doktrin ist legitime Herrschaft allein im Kalifat möglich. Der Kalif ist als Nachfolger Mohammeds mit der politischen und religiösen Führung der umma, der muslimischen Gemeinschaft betraut. Die Institution des Kalifats leiten die islamischen Theologen und Juristen aus dem Koran her. In Sure 38 heißt es: "Oh Da'ud (König David), siehe, wir machten dich zu einem Stellvertreter (khalifa) auf Erden; So richte zwischen den Menschen in Wahrheit...". Über dem Kalifen steht allein das religiöse Gesetz, die Schari'a, die aus den Rechtsquellen Koran, Sunna, idschma (Konsens) und qiyas (Analogieschluss) schöpft und an die auch der Kalif gebunden ist.
Nach imamitisch-schiitischer Auffassung waren ihre zwölf Imame rechtmäßige Kalifen. Der zwölfte Kalif verstarb nach dieser Auffassung nicht, sondern entrückte in die Verborgenheit, aus der er dereinst als Mahdi (Erlöser) erscheinen wird. In der Zwischenzeit übt der schiitische Klerus nur treuhänderisch für diesen verborgenen Iman die Macht aus. In der iranischen Verfassung ist das so festgeschrieben. Deshalb können auch nach dieser Lehre das relativ frei gewählte iranische Parlament und der gewählte Präsident des Irans nur begrenzte Macht ausüben.
Die schiitischen Nizaris, die zu den Ismailiten oder Siebener-Schiiten gehören, haben bis heute einen Imam-Kalifen, nämlich Karim Aga Khan IV., der der 49. in der direkten Nachfolge des Propheten Mohammeds aus der Linie über seine Tochter Fatima und seinen Schwiegersohn Ali ist (zumindest nach ihrer Lehre). Die ebenfalls ismailitischen Bohras glauben wie die Imamiten an einen verborgenen Imam-Kalifen.
Das Kalifat ist im islamischen Recht als eine so genannte fard kifaya verankert, das heißt als gemeinschaftliche Glaubenspflicht. Im Gegensatz zur fard `ayn, der individuellen Glaubenpflicht, wie beispielsweise das Fasten oder die Pilgerreise, die zu verrichten jeder einzelne verpflichtet ist, muss eine fard kifaya nur von einigen, dazu geeigneten Menschen der Gemeinschaft betrieben werden. Die Verpflichtung zum Dschihad oder das Streben nach Wissen sind typische Beispiele dafür. Im Fall des Kalifats heißt das, dass die Erfüllung der fard kifaya den für das Amt des Kalifen geeigneten Personen obliegt. Falls es nur einen einzigen Kandidaten geben sollte, der die Kriterien erfüllt, darf dieser das Amt beispielsweise nicht ablehnen.
Die Universalität des Kalifats, das heißt den religiösen und säkularen Machtanspruch, leiten die klassischen Theologen aus der Pflicht zum Dschihad ab. Die religiöse Pflicht zum Dschihad macht es notwendig, dass der Kalif nicht nur die religiöse Führung innehat, sondern auch in der Lage ist, Krieg zu führen, das heißt dass er die Kontrolle über die Armee besitzt. Die sprachliche Trennung zwischen Kalif und Imam verweist auf diese beiden Aspekte. Unter Imamat wird gemeinhin die religiöse Führung verstanden, während das Kalifat sich auf den politischen und militärischen Bereich bezieht. Diese Aufgabenbereiche fallen im Amt des Kalifen und Imam zusammen. Mit dem Zusammenbruch des Kalifats verselbstständigte sich die Bezeichnung Imam und wurde später nicht mehr ausschließlich für das Oberhaupt der muslimischen Gemeinde, sondern auch als Ehrentitel für besonders angesehene religiöse Persönlichkeiten gebraucht.
Diese erst wesentlich später formulierte sunnitisch-orthodoxe Kalifatskonzeption dauerte bis etwa zum Niedergang des abbasidischen Kalifats. Die Bestimmung, dass der Kalif dem Stamme Mohammeds, den Quraisch angehören müsse, überdauerte bis zum Beginn des Kalifats der Osmanen. Die Osmanen erhielten den Anspruch auf die Stellung des Kalifen aufrecht und untermauerten ihn mit dem Gebrauch religiöser Symbolik.
Auch wenn das Kalifat in der Realität an Bedeutung verlor, blieb die Kalifatstheorie theoretisch die ganze Zeit über maßgeblich und viel diskutiert, wenn auch Realität und Theorie weit auseinander klafften. Die muslimischen Juristen standen vor der eigentlich unlösbaren Aufgabe, diese Diskrepanz zu überbrücken. Erwin Rosenthal stellt die Situation folgendermaßen dar: "This meant in practice that they had to achieve a reconciliation between the caliph as the highest authority in theory, and the sultan or emir as the actual wielder of power, by accommodating both under the Islamic law, which insisted on the unity of power spiritual and temporal."
Die Aufweichung der Kalifatstheorie vollzog sich in mehreren Schritten. Als einer der ersten versuchte sich der ascharitische Jurist al-Mawardi (972--1058) an einer Lösung. Ironischerweise galt Mawardis Theorie lange Zeit als die klassische Ausformulierung der sunnitischen orthodoxen Kalifatsdoktrin, was von Hamilton Gibb mittlerweile widerlegt wurde. Zu einer Zeit, als der Kalif nur noch eine Marionette in den Händen der Buyiden-Dynastie in Baghdad war, stellte er in seiner Schrift Ahkam as-Sultaniya eine Theorie über das imarat al-istila, das Emirat durch Usurpation, auf.
Dieser Theorie zufolge ist der Kalif verpflichtet, seine Exekutivgewalt an denjenigen zu delegieren, der gerade die reale politische Macht innehat, solange dieser nach den Gesetzen der Scharia regiert. Der Fiktion der Souveränität des Kalifen wird durch eine formelle Anerkennung der Oberhoheit des Kalifen und durch die Erwähnung seines Namens im Freitagsgebet Genüge getan. Mawardi versucht hier mit dem Delegationsgedanken die Kalifatstheorie mit der historischen Realität wieder in Einklang zu bringen.
Al-Mawardi knüpfte die Delegation der Macht noch an eine Herrschaft nach der Schari'a. Weil spätere islamische Theoretiker überzeugt waren, dass jede Form von Herrschaft besser sei als Anarchie, legitimierten sie auch reine Gewaltherrschaft, solange die nominelle Oberherrschaft des Kalifen dabei aufrecht erhalten werde.
So gibt zum Beispiel al-Ghazali (1058--1111) zur Zeit der Seldschukenherrschaft viele der Erfordernisse auf, die Mawardi noch für nötig gehalten hatte. Der Kalif muss nicht mehr über die Fähigkeit vefügen, den Dschihad anzuführen, auch Regierungskompetenz (kifaya) ist nicht erforderlich, solange ihm ein kompetenter Wesir zur Seite steht. Anstelle der Fähigkeit zum idschtihad, das heißt der eigenständigen Interpretation des Rechts muss der Kalif lediglich wara, Gottesfurcht, besitzen. Den traditionellen Wahlverfahren des Kalifen fügt Ghazali ein weiteres hinzu: die Ernennung des Kalifen durch den gerade herrschenden Sultan. Damit legitimierte er die zu seiner Zeit übliche Praxis.
Der Theologe Ibn Dschama'a versetzt der klassischen Kalifatstheorie schließlich den Todesstoß, indem er jeglichen religiösen Anspruch aufgibt und das Kalifat allein auf gewaltsame Oberherrschaft reduziert: "When the Imama is thus contractually assumed by one person by means of force and military supremacy, and thereafter there arises another who overcomes the first by his might and his armies, then the first is deposed and the second becomes Imam, for the reasons of the well-being and unity of the Muslims."
Siehe auch
Liste islamischer Begriffe auf Arabisch, Religiöse Titel, Osmanisches Kalifat
Literatur
- Ulrich Haarmann, Geschichte der Arabischen Welt, Verlag C.H.Beck, München, 2001
- Stephan und Nandy Ronart, Lexikon der Arabischen Welt, Artemis Verlag, 1972
Kategorie:Islam
BalkhBalch (auch Balkh geschrieben, Persisch بلخ) ist eine Stadt in der Provinz Balch im Norden von Afghanistan und ein Vorort von Masar-e Scharif, der größten Stadt Nordafghanistans, und gleichzeitig die wichtigste Wallfahrtsstätte des Landes. Balch wurde unter der Herrschaft der Mohammedsai zu Ehren des afghanischen Nationalhelden Wazir Akbar Khan in Wazirabad umbenannt. Einwohnerzahl: 7.242 (Volkszählung 1979) und 11.300 (Schätzung 2003), hauptsächlich Tadschiken und Usbeken.
Basisdaten
- Nördliche Breite: 36° 45' 29
- Östliche Länge: 66° 53' 56
Geschichte
Balch gehört zu den ältesten Siedlungen Zentralasiens und ist eine Wiege der iranischen Zivilisation. In der Antike unter dem Namen Zariastes (griech.: Ζαρίασπα), später Baktra (griech.: Βακτρα) bekannt, war sie die Hauptstadt des legendären Baktrien. Hier lebte und wirkte der Prophet Zarathustra, der Begründer des Zoroastrismus. In Baktra traf die Seidenstraße auf eine andere Handelsroute, die in nordwestlicher Richtung dem Lauf des Oxus folgend zum Kaspischen Meer führte, sowie in südöstlicher Richtung über den Khyberpass nach Vorderindien.
Um das Jahr 500 v. Chr. wurde Baktrien von den Persern erobert und dem Perserreich einverleibt. Bis zur Eroberung Persiens durch Alexander dem Großen blieb Baktrien eine der wichtigsten Satrapien der Achämeniden. Dareios II. war selbst Sohn einer baktrischen Mutter; nach dem Tod Dareios III. wurde der Statthalter von Bactra, Bessos, zum neuen Herrscher ausgerufen.
Unter der Herrschaft der Seleukiden war Balch fast ausschließlich eine griechische Kolonie. Unter dem Einfluss des Buddhismus entstand hier eine faszinierende griechisch-buddhistische Mixkultur. Die im Jahre 2001 durch die Taliban zerstörten Buddha-Statuen von Bamiyan entstammen aus dieser Kultur.
Später war Bactra unter den Sassaniden wieder Teil eines vereinten Perserreichs, bevor die Stadt von den Arabern erobert und islamisiert wurde.
Im Mittelalter war Balch eine Hauptstadt der (aus der Stadt selbst stammenden) Samaniden und entwickelte sich zu einem Zentrum der persischen Kultur und Literatur. Nach dem Fall der Samaniden war sie abwechselnd unter der Herrschaft der Ghaznawiden, Ghuriden, Seldschuken und der Khwarizm-Schahs, bevor die Stadt von den Mongolen erobert und vollkommen zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau wurde Balch von Timur-e Lang erobert, und entwickelte sich unter seinen Nachkommen, den Timuriden, zu den wichtigsten Städten Khorassans.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt von den Afghanen, unter der Führung Ahmad Shah Durranis, erobert und dem neugegründeten Afghanistan einverleibt. Danach geriet Balch unter die Herrschaft des expandierenden Russland, bevor die Stadt Mitte des 19. Jahrhunderts - im Verlaufe des Great Game und den darauf basierenden Verträge zwischen den europäischen Kolonialmächten Russland und Großbritannien - endgültig Afghanistan zugesprochen wurde.
Berühmte Söhne der Stadt waren der Sufi (islamischer Mystiker) und Dichter Dschalal ad-Din Rumi und der Arzt Ibn Sina (Avicenna). Die bekannte Dichterin der Stadt war Rabia e Balchi.
Weblinks
[http://www.mazar-i-sharif.de Balch Mazar-i-Sharif]
Kategorie:Ort in Afghanistan
Kategorie:Zentralasiatische Geschichte
786
Politik und Weltgeschehen
- Harun ar-Raschid stürzt seinen Bruder Al-Hadi und wird fünfter Kalif der Abbasiden. Durch die Berufung der Barmakiden in das Wesir-Amt wird das Persertum gestärkt.
- Idris ibn Abdallah wird als Schiit und Abkömmling des Kalifen Ali von den Abbasiden verfolgt und flieht in den Maghreb, wo er zwei Jahre später die Herrschaft der Idrisiden begründet.
- Auflösung des Chorbistums Büraburg.
- Waldo wird Abt des Klosters Reichenau. Er führt hier eine Gelehrtenschule ein.
- König Offa von Mercien führt in seinem Reich den Penny als Silbermünze ein.
- Beorhtric wird nach dem Tod Cynewulfs neuer König von Wessex.
- Nachweisliche Verwendung arabischer Münzen in Alt-Ladoga.
- König Dhruva, Herrscher der Rashtrakuta-Dynastie in Zentral-Indien, besiegt Vatsaraja, König der Pratihara-Dynastie, dessen Expansion damit gestoppt wird.
- Bebra, Dormettingen, Dunningen, Hechingen, Kölleda, Merzhausen und Weil am Rhein werden erstmals urkundlich erwähnt.
- 3. April - Totale Sonnenfinsternis in der Cyrenaika, Syrien und Mesopotamien.
- 7. September - Saga (Kaiser), 52. Kaiser von Japan († 842)
- Junna, 53. Kaiser von Japan († 840)
- um 786 - Al-Ma'mun, siebter Kalif der Abbasiden († 833)
- 16. Oktober - Lullus (Lul), Erzbischof von Mainz ( - um 710)
- Kalif al-Hadi wird durch eine Verschwörung gestürzt und ermordet ( - um 766/767)
ko:786년
Al-HadiAl-Hadi ( - um 766/767, † 786) war der vierte Kalif der Abbasiden (785-786).
Gegen Ende der Regierungszeit von al-Mahdi gab es Haremsintrigen um den Prinzen Harun als Thronfolger durchzusetzen. Allerdings bestätigte al-Mahdi seinen Sohn Musa als Thronfolger, bestimmte aber Harun ar-Raschid als dessen Nachfolger.
Mit der Herrschaftsübernahme bemühte sich Abu Muhammad Musa ibn al-Mahdi (Thronnamen al-Hadi) mit Hilfe von al-Fadl ibn ar-Rabi den Einfluss der Iraner, die die Thronfolge von Harun unterstützten, in der Reichsverwaltung zu begrenzen. Als er versuchte Harun zum Verzicht seiner Ansprüche zu bewegen, wurde er durch eine Verschwörung ermordet. Harun ar-Raschid (786-809) konnte nun die ihm zugesprochene Herrschaft antreten.
Kategorie:Mann
Kategorie:Abbasiden
Kategorie:Kalif
Tang-Dynastie
Die Tang-Dynastie () war eine chinesische Kaiserdynastie, die von 618 bis 907 an der Macht war. Sie folgte auf die Sui-Dynastie und ging der Zeit der fünf Dynastien voraus. Unterbrochen wurde die Tang-Dynastie durch die Zweite Zhou-Dynastie (690-705).
Zeit der fünf Dynastien
Geschichte
Die Zeit 617 bis 660
Die Dynastie wurde durch den chinesischen General Li Yuan (einen Halbtürken) gegründet, der 617 inmitten zahlreicher Rebellionen Chang-an eroberte, woraufhin der Sui-Kaiser Yang Di von seinen Ratgebern erdrosselt wurde. Chinas Hauptstadt zur Tang-Zeit wurde Chang'an (heute Xi'an; damals 2 Millionen Einwohner), aber auch Luoyang mit 1 Million Einwohnern war bedeutend.
General Li Yuan nahm als Kaiser den Namen Gao-tsu an. Er galt als unentschlossener Herrscher, der stets im Schatten seines Sohnes Li Shi-min stand und musste schließlich abdanken. Li Shi-min verbuchte als Kaiser Tai-tsung 626/30 einen entscheidenden Sieg über die Osttürken, was der Tang-Dynastie die Ausbreitung entlang der Seidenstraße ermöglichte und auch China dem Ausland öffnete (vgl. z.B. Xuanzang). Viele fremde Kaufleute und Krieger strömten in der Folge ins Land und prägten die Stadtkultur jener Zeit. Mit ihnen kam Neues - z.B. spielte die chinesische Aristokratie damals Polo, ein Spiel aus dem Iran, was nur aufgrund des verbreiteten Pferdebesitzes durch die Kontrolle der Zuchtgebiete in Kansu möglich wurde.
Tai-tsung erneuerte auch die staatlichen Beamtenprüfungen (Geschichte, konfuzianische Klassiker, Lyrik und Verwaltungsaspekte; es bestanden maximal 10 % der Kandidaten), um sich bessere Verwaltungsbeamte heranzuziehen. In der Praxis bestimmten aber Geld und Herkunft, wer Beamter wurde, so dass die höchsten Posten weiterhin dem Adel vorbehalten blieben.
Die Verwaltung Tang-Chinas war wie folgt untergliedert:
- kaiserliche Kanzlei
- Staatskanzlei mit den klassischen sechs Ministerien (Beamte, Finanzen, Riten, Heer, Justiz und öffentl. Arbeiten)
- kaiserliches Sekretariat (zuständig für Kontrolle und Zensur)
- Staatsrat, dem u.a. die Spitzen der Staatskanzlei angehörten.
Die Strafgesetze wurden vereinfacht und gemildert, das Schulwesen gefördert. Der Gesetzkodex der Tang-Zeit, das Tanglü-shuyi, ist vollständig überliefert. Er war sehr umfangreich (über 500 Paragraphen in 12 Abschnitten) und besticht durch lückenlose Logik. Man bewertete sowohl die Schwere bzw. das Wesen der Straftat als auch die gesellschaftliche Stellung des Opfers.
Gegen Ende seines Lebens stürzte sich Tai-tsung († 649) aber in einen belastenden Krieg gegen Korea, was ihn zuletzt sogar innerhalb der eigenen Regierung isolierte. Für das Jahr 651 wird die erste arabische Gesandtschaft am Tang-Hofe vermerkt, gesendet von Kalif Uthman, 643 kam sogar eine aus Byzanz. Weitere Kriege Chinas gegen die Gök-Türken verliefen zwar erfolgreich - 657/59 wurden auch die Westtürken unterworfen, und ein persischer Prinz namens Firuz (Peroz) forderte 661 chinesische Unterstützung gegen die Araber an - aber die Erfolge waren nicht von langer Dauer.
Die Zeit 660 bis 705 (Ära Wu)
Araber
Der Kaiser Gaozong (reg. 650-683) litt ab 660 an Schwindelanfällen und Kopfschmerzen. Man nahm an, dass er von seiner Frau, der späteren "Schrecklichen Kaiserin" Wu Chao (einer ehemaligen Konkubine) bis zu seinem Tod 683 langsam vergiftet wurde. Wu Chao ermordete ihren erstgeborenen Sohn und sperrte zwei weitere ihrer Söhne ein. Dann nahm sie 690 den Kaisertitel an und regierte (trotz ihrer zahlreichen Morde) mit der Unterstützung der Buddhisten, der Geheimpolizei und offenbar auch großer Teile des Volkes (Zweite Zhou-Dynastie).
Nach Wu Chaos Sturz 705 fiel die Herrschaft nach zwei Morden und einer Abdankung schließlich an Kaiser Xuanzong (713 - 756). Unter Xuanzong erlebte Tang-China zunächst ein Goldenes Zeitalter des Friedens, der Kultur und Gelehrsamkeit.
Die Zeit 705 bis 907
Xuanzong verfiel aber bald der Trägheit und wurde willenloses Werkzeug zweier Günstlinge (Li Lin-fu, Yang Guozhong) und einer Nebenfrau namens Yang Guifei. Li Lin-fu konnte 737 sogar die Hinrichtung dreier Söhne Xuanzongs erwirken.
Inzwischen machten sich die erhöhten Militärausgaben ständiger Kriege entlang der Seidenstraße (751 Schlacht am Talas gegen die Araber) in erhöhten Steuern bemerkbar. In der Regierung herrschte Streit zwischen den adligen Beamten und den durch staatliche Prüfungen gewonnenen Beamten, während sich der alte Kaiser vollständig ins Privatleben zurückzog. In der Armee hatten sich Berufssoldaten breitgemacht, die Generäle hatten zu große Kompetenzen bekommen, da der erste Minister Li Lin-fu († 752) der Zivilverwaltung in den Provinzen misstraute und mit den Militärs ein Gegengewicht schaffen wollte. Das erwies sich nach seinem Tod als großer Fehler.
Als ein türkischer General namens An Lushan bei Hofe den Machtkampf gegen den neuen ersten Minister Yang Guozhong verlor, zettelte er einen Aufstand an. An Lushan eroberte 755/6 Luoyang und Chang-an, wurde aber im Folgejahr ermordet. Kaiser Xuanzong († 762) floh nach Chengdu und dankte zugunsten seines Sohnes Su-tsung (reg. 756-762) ab. Der holte die Hauptstädte zwar 757 zurück, aber die Situation blieb bis zum Ende des Aufstandes 763 wechselhaft. Während des Aufstandes des An Lushan sollen 36 Millionen Menschen ums Leben gekommen sein, fast ¾ der damaligen Bevölkerung.
Die Uiguren, Tibeter u.a. mischten sich ab 762/63 in China ein. Ehrgeizige Statthalter erhoben sich ununterbrochen gegen die Zentralgewalt, die nur noch ein Schatten ihrer selbst war. Bei Hofe regierten oftmals schwache Kaiser, die Eunuchen oder auch einflussreiche Generäle. Ein Kaiser musste bereits 783/84 aus der Hauptstadt fliehen.
Der endgültige Untergang der Tang kam aber erst im Aufstand des Huang Chao 876 - 884. Dieser Aufstand kostete nach damaliger Darstellung noch mehr Menschenleben als der Aufstand des An Lushan. Und zwar hatte Huang Chao zunächst die Südprovinzen (u.a. Kanton 879) verwüstet und sich dann nach Norden gewandt. Der Kaiser Hi-tsung (reg. 874-88) floh 881 nach Chengdu und musste beide Hauptstädte Huang Chao überlassen, der diverse Tang-Prinzen umbrachte und erst 884 von einem türkischen Kavalleriekorps geschlagen werden konnte. 885 kehrte der Kaiser nach Chang-an zurück und starb bald darauf.
Die Eunuchen bemächtigten sich 900 der Person des Kaisers, wurden aber von einem General namens Dschu Wen (ein Überläufer Huang Chaos) beseitigt. Nach den nötigen Vorbereitungen wurden 907 alle Tang-Prinzen von Dschu Wen umgebracht, womit die Dynastie endete.
Wirtschaft und Kultur der Tang-Epoche
Grundlagen und Zusammenhänge
Aufstand des Huang Chao]]
Aufstand des Huang Chao
Auch in der Tang-Epoche erlebte China eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Die Großstädte wuchsen, mit ihnen die Stadtkultur und Kriminalität. Dichtkunst (Li Bai, Du Fu), Malerei, keramische Produktion erreichten ein hohes Niveau, auf technischem Gebiet entwickelte sich der Buchdruck, und die Herstellung von Schießpulver gelang. Einige chinesische Erfindungen und Entdeckungen jener Zeit: Buchdruck mit Stempeln um 600, tickende Wasseruhr 725, Diabetes um 640, Kometenschweif 635, Hartporzellan 700, Streichhölzer 577 und nicht zuletzt die Zeitung.
Die Grundlage dieser gesellschaftlichen Blüte waren Maßnahmen auf wirtschaftlichem, sozialem und steuerlichem Bereich, die nachfolgend näher beleuchtet werden.
Die Kanalbauten der Sui mit ihren Umschlagplätzen und Speichern 587-608 begünstigten den Warentransport und Binnenhandel, ernährten die Hauptstadt und bildeten eine Grundlage des wirtschaftlichen Aufschwungs im 8. und 9. Jahrhundert. Ihre Kontrolle erlaubte es den Tang auch, sich in den schwierigen Bedingungen nach dem An Lushan-Aufstand 756 an der Macht zu halten. Verschifft wurden in erster Linie Getreide und Seide. Aber auch der Reistransport stieg aufgrund der Produktionssteigerung dank verbesserten Anbaus (Umsetzen der Schößlinge) innerhalb eines Jahrhunderts um das 5-10-fache an.
Das Überleben der Kleinbauern und damit den sozialen Frieden sicherten Steuergesetze (619) und die dazugehörigen Agrarverordnungen (624). Darin wurden den Bauern gleichmäßig verteilte Parzellen auf Lebenszeit übergeben. Grundlage der Vergabe waren genaue Volkszählungen unter Berücksichtigung des Alters sowie ein Katastersystem zur Landbewertung-/verteilung. Das System wurde aber schon im späten 7. Jhrd. durch manipulierte Zahlenangaben und Ausdehnung des privaten und kirchlichen Gutsbesitzes untergraben. Es war zudem zu anfällig gegen veraltete Zahlen, Abwanderung und veränderten Anbau.
Die Klasse der Kleinbauern verfiel im 8. Jhrd., die Steuereinnahmen sanken. 780 kam deswegen eine Steuerreform, welche die traditionellen Steuern nach der Anzahl der Personen durch die Steuern nach Grundbesitz und Ernte ersetzte. Parallel dazu griff der Staat ähnlich wie zur Han-Zeit ab 759 auf Monopole an Salz, Alkohol und Tee zurück, um den Einnahmenverlust auszugleichen. Damit machte der Staat seine Einnahmen (hier: Gewinne) auch von der politischen Situation unabhängig. Zwecks diesbezüglichen Geldtransfers führte man um 806-20 auch den Wechsel ein. Das Geldwesen entwickelte sich in der Folge analog zu dem im arabischen Kalifat, wo man Steuergelder unter ähnlich schwierigen politischen Umständen transferieren musste.
Gegen Ende der Tang-Epoche verzeichnet man also eine steigende Bedeutung des Eigentums und des Handels, was die frühkapitalistische Entwicklung in der nachfolgenden Song-Epoche begründete.
Weltoffenheit und Reaktion
Ein weiterer Punkt war die Weltoffenheit jener Zeit. Der Buddhismus stand nach seiner Förderung durch Wu Chao noch immer in voller Blüte, man verzeichnete viele Pilgerreisen nach Indien. Gebildete Chinesen richteten ihr soziales Verhalten nach den Lehren des Konfuzius, ihre Stellung in der Natur erklärte ihnen der Taoismus und für die Seele war Buddha zuständig. Diese drei Philosophien und Religionen wurden staatlich gefördert. Fremde Kaufleute sorgten für den Transithandel über Land und See, unterhielten in den schnell wachsenden Großstädten wie Guangzhou eigene Handelskontore. Haupthandelsprodukte waren Tee, Porzellan und Seide. Durch ausländische Kaufleute und Krieger fanden auch Islam und Manichäismus Eingang in China.
Nach dem An Lushan-Aufstand wurden die Ausländer allerdings für die Lage im Land verantwortlich gemacht. Um 800 kam es dann zu einer Art intellektueller Wende im Land, einer Rückbesinnung auf traditionelles Gedankengut, welche sich in der Vereinfachung als simpler Nationalismus äußerte. 836 verbot man den Kontakt mit Ausländern. Viele Ausländer wurden bei den Unruhen in den Städten erschlagen, einige Tausend 760 in Yangzhou und 120.000 in Kanton 879. Der Kontrollverlust an der Seidenstraße schnitt zudem den Buddhismus von seinen Ursprungsregionen im Südwesten ab und leitete so seinen Niedergang im Land ein. Macht und Reichtum der buddhistischen Klöster erweckten viele Neider. Besonders der Staat war in einer Finanzkrise - 845 ließ Kaiser Wu-tsung die meisten der 4.600 Klöster und 40.000 Schreine zerstören.
Verweise
- Kaiser der Tang-Dynastie
Weblinks
- [http://www.sino-liedtke.de/Chin__Geschichte/Sui___Tang_Dynastie/sui___tang_dynastie.html Text über die Tang-Dynastie 1]
- [http://www.jaduland.de/asia/china/text/tang.html Text über die Tang-Dynastie 2]
- [http://www.uglychinese.org/tang.htm Englisch geschriebene Ostasienseite]
Kategorie:Tang-Dynastie
ja:唐
ko:당나라
Xi'an
Xī'ān (chin. 西安 = Westlicher Frieden), auch Si'an, Hsi-An oder Xian (früher: Sianfu), ist die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi. Xi'an besitzt eine nahezu vollständig erhaltene Stadtmauer und war der Ausgangspunkt der Seidenstraße. Xi'an ist auch der Ausgangspunkt für Besichtigungen der Terrakotta-Armee.
Zahlen
Fläche: 9.983 km²
Einwohner: 3.959.273 (1. Jan. 2005), Agglomeration 6,179 Mio
Lage: 34°15,94N, 108°53,00E
Höhe: 412 m ü. NN
(Diese Zahlen wurden der Internetseite des Fremdenverkehrsamtes der VR China (http://www.fac.de/city/xian.htm) entnommen)
Geographie
NN
Allgemeine Informationen
NN
Xi'an war die erste Hauptstadt des Kaiserreich Chinas und blieb für 13 Dynastien (1120 Jahre, bis 1368) Hauptstadt unter dem Namen Cháng'ān (長安 = Immerwährender Frieden). Das Chang'an der Han-Zeit lag etwa 5 km nordwestlich des heutigen Xi'an und hatte um die Zeitenwende etwa 240.000 Einwohner. 18 n. Chr. wurde die Stadt im Zusammenhang mit dem Aufstand der "Roten Augenbrauen" verwüstet, woraufhin die Hauptstadt nach Luoyang verlegt wurde. 582 wurde unter einem Sui-Kaiser südöstlich der Han-Stadt, im Bereich des heutigen Xi'an, eine neue Hauptstadt namens Daxing errichtet - damals und während der folgenden Tang-Dynastie (618-907 AD) flächenmäßig (88 km²) und mit etwa 1 Million Einwohnern auch sonst die größte Stadt der Welt. Unter den Tang erhielt sie den Namen der alten Han-Metropole: Chang'an. Den Namen Xi'an erhielt die Stadt im Jahr 1369. Xi'an wurde mit den archäologischen Ausgrabungen im Jahr 1974 weltbekannt, als über 8000 lebensgroße Terrakottasoldaten in Gefechtsaufstellung entdeckt wurden. Die Grabstätte des Kaisers Qin Shi Huang (221 v. Chr.-209 v. Chr.) (wörtlich: erster Kaiser der Qin), der als erster China als Land einte und die Qin-Dynastie begründete, ist heute eine der Touristenattraktionen in China neben der Großen Mauer. Xi'an ist Partnerstadt von Dortmund.
Sehenswürdigkeiten
Die 1974 von Landarbeitern bei Xi'an entdeckte Grabstätte des Kaisers Qin Shi Huang Di ist einer der bedeutendsten archäologische Funde des zwanzigsten Jahrhunderts. Bereits im Alter von 13 Jahren (246 v. Chr.), kurz nach seiner Thronbesteigung, ließ der Kaiser mit dem Bau seiner Grabstätte beginnen. Während der 36 Jahre dauernden Arbeiten waren bis zu 70.000 Arbeiter gleichzeitig mit dem Bau beschäftigt. Auf einem mehrere tausend Quadratmeter großen Areal wurde eine Grabkammer geschützt von einer Armee lebensgroßer Tonsoldaten, der Tonsoldatenarmee (Terrakottaarmee), errichtet.
Qin Shi Huang Di
Während der Regentschaft von Qin Shi Huang Di wurden die bis dahin unabhängigen chinesischen Feudalstaaten zum ersten Mal zu einem Großreich vereinigt. Treibende Kraft dieser politisch und militärischen Meisterleistung war der Kanzler des Kaisers, Li Si, einer der fähigsten Staatsmänner in der Geschichte Chinas. Weitere Errungenschaften dieses ersten Kaisers des chinesischen Großreichs waren der Ausbau der große Mauer, die Anlage von Überlandstraßen und Kanälen sowie die Verwendung einheitlicher Schrift und Währung. Im Alter von 49 Jahren starb Qin Shi Huang Di während einer Inspektionsreise in die Provinz, und wurde in seiner Grabkammer beigesetzt.
Der zweite Sohn von Qin Shi Huang, Qin Er Shi, der die Herrschaft übernahm, war nicht annähernd so fähig wie sein Vater. Bereits drei Jahre nach dem Tod des Kaisers kam es zu Aufständen und der Rebellengeneral Xiang Yu verwüstete die Grabstätte (207 v. Chr.). Die Schächte mit den Tonsoldaten wurden aufgebrochen und ein großer Teil der Waffen entwendet. Die Holzwände, die die Soldaten umschlossen, wurden verbrannt und viele Figuren zerstört. 206 v. Chr. wurde Quin Er Shi getötet, und das Ende der Quin Dynastie war besiegelt.
Anders als die Grabstätte von Qin Shi Huang Di wurden die Tonsoldaten in keiner der zeitgenössischen oder späteren Aufzeichnungen erwähnt. Ihre Entdeckung war deshalb selbst für die Fachwelt eine Sensation. Bisher wurden mehr als 3000 Soldaten und Pferde sowie mehr als 40.000 Waffen ausgegraben und restauriert, geschätzte weitere 5000 Figuren sind noch im Erdreich verborgen.
Xiang Yu
Xiang Yu
Die Stadtmauer
Die große Wildganspagode
Die große Moschee
Xi'ans Muslimisches Viertel beherbergt die 1250 Jahre alte Große Moschee von Xi'an.
Das heutige Gebäude wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, wobei es schon früher Moscheen am selben Ort gegeben haben soll.
Das Gebäude ist dem Chinesischem Baustil angepasst und von Gärten umringt. Die Moschee von Xi'an ist eines der größten Moscheen Chinas.
Der Vorhof ist für die Öffentlichkeit zugänglich, die Gebetsräume sind Muslimen vorbehalten.
Der Trommelturm
Glockenturm
Die kleine Wildganspagode
die Kleine Wildgans-Pagode ähnelt der großen Wildgans-Pagode zwar sehr. Sie ist jedoch mit 43 m Höhe um 21 m niedriger, hat jedoch trotzdem insgesamt 13 Geschosse, also sechs Etagen mehr. Aus diesem Grund sind auch die einzelnen Etagen äußerst nieder und der Aufstieg ist sehr eng.
Der Xingjiao-Tempel
Geschichtsmuseum der Provinz Shaanxi
Provinzmuseum
Das Steinzeitdorf ist im Moment wegen Renovierungsarbeiten voruebergehend geschlossen.
Das Nachtleben
Nicht zu vergleichen mit den Bar- und Kneipenstraßen Beijings und Shanghais, gibt es auch in Xi'an eine Straße mit Kneipen, Bars, Teehäusern und Kaffees. Die sogenannte 'Coffee Bar Street' liegt parallel zur Nan Da Jie (南大街) und bietet jedem Vergnügnungslustigem die Art von Unterhaltung, die er wünscht.
Zudem gibt es im Stadtzentrum, in der Naehe des Belltowers, einige Diskotheken und Bars (z.T. mit Livemusik)
Weblinks
Kategorie:Ort in China
Kategorie:Bezirksfreie Stadt (China)
Kategorie:Archäologische Grabung
ja:西安
ko:시안
th:ซีอาน
Europa
Europa ist das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse und wird von Europäern üblicherweise als eigenständiger Kontinent betrachtet, obwohl es eigentlich ein Subkontinent ist. Insgesamt hat Europa eine Fläche von 8,327 Millionen Quadratkilometern, was Europa nach Australien zum zweitkleinsten Kontinent macht. Dennoch besitzt Europa mit rund 730 Millionen Einwohnern die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Die Ausdehnung erstreckt sich von der Nordsee und dem Atlantischen Ozean im Westen bis zum Ural im Osten.
Ural
Geographie
Europa hat eine Fläche von 8,327.000 km² und eine Küstenlänge von 37.200 km. Der nördlichste Punkt des Kontinents liegt bei ca. 71,2° n. Br. in Knivskjelodden, Norwegen, der südlichste Punkt in Tarifa im Süden Spaniens. Damit beträgt die Nord-Süd Ausdehnung ca. 3.800 Kilometer. Von Ost nach West erstreckt sich die Landmasse Europas vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals, was ca. 6.000 Kilometer West-Ost Ausdehnung bedeutet.
Insgesamt ist Europa stark zergliedert. Es beinhaltet einige größere Halbinseln, wie die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel, sowie viele weitere, kleinere Halbinseln wie Bretagne und Jütland. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Inseln, die größten sind die Britischen Inseln, Island, Sardinien und Sizilien.
Sizilien
Im Norden grenzt Europa an einzelne Randmeere des Nordpolarmeeres wie die Barentssee und das Europäische Nordmeer. Obwohl sich die Nebenmeere Nord- und Ostsee streng genommen innerhalb des Kontinents befinden, wird die Nordsee auch als seewärtige Grenze angesehen. Im Südosten grenzt Europa an das Kaspische Meer, im Süden an das Schwarze Meer und an das Mittelmeer, und im Westen an den Atlantischen Ozean.
Der höchste Punkt des Kontinents liegt je nach Definition der "Grenzen" Europas entweder im nördlichen Kaukasus in Russland (Elbrus (5.642 Meter)) oder aber in den Alpen zwischen Frankreich und Italien (Montblanc (4.808 Meter)). Der niedrigste Punkt Europas liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres.
Siehe auch: Mittelpunkt Europas
Innereurasische Grenze
Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, die Manytschniederung nördlich des Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden unter anderem die Grenze zwischen Europa und Asien.
Siehe auch: Innereurasische Grenze
Untergliederung
- Nordeuropa
- Nordwesteuropa
- Nordosteuropa
- Mitteleuropa
- Ostmitteleuropa
- Osteuropa
- Südeuropa
- Südosteuropa
- Westeuropa
Flüsse
Westeuropa
Die längsten Flüsse Europas (über 1.000 km) sind:
#Wolga (3.531 km)
#Donau (2.850 km)
#Ural (2.428 km) (an der "innereurasischen" Grenze)
#Dnjepr (2.200 km)
#Don (1.870 km)
#Petschora (1.809 km)
#Kama (1.805 km)
#Oka (1.500 km)
#Belaja (1.430 km)
#Dnjestr (1.352 km)
#Rhein (1.320 km)
#Wjatka (1.314 km)
#Elbe (1.165 km)
#Desna (1.130 km)
#Weichsel (1.047 km)
#Düna (1.020 km)
#Loire (1.020 km)
#Choper (1.010 km)
#Tajo (1.007 km)
Siehe auch: Liste europäischer Flüsse, Die längsten Flüsse der Erde
Berge
Die höchsten Berge in Europa sind:
#Elbrus (5.642 m), Russland, Kaukasus (umstritten, weil innereurasische Grenze unterschiedlich festgelegt ist)
#Dykh Tau (5.203 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Rustaveli (5.201 m), Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Koshtan Tau (5.150 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Pushkin (5.100 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Shkhara (5.068 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Kazbek (5.047 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Mizhirgi (5.025 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Katyn (4.974 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Shota Rustaveli (4.960 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Borovikovs topp (4.888 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Mont Blanc (4.808 m; mit Eiskappe), Grenze Frankreich-Italien, Alpen
#Dufourspitze (4.634 m; Monte-Rosa-Massiv), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Dom (4.545 m), Schweiz, Alpen
#Weisshorn (4.505 m), Schweiz, Alpen
#Lyskamm (4.480 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Matterhorn (4.478 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Dent Blanche (4.357 m), Schweiz, Alpen
#Finsteraarhorn (4.274 m), Schweiz, Alpen
#Zinalrothorn (4.221 m), Schweiz, Alpen
#Alphubel (4.206 m), Schweiz, Alpen
#Rimpfischhorn (4.199 m), Schweiz, Alpen
#Aletschhorn (4.192 m), Schweiz, Alpen
#Dent d'Hérens (4.171 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Breithorn (4.164 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Jungfrau (4.158 m), Schweiz, Alpen
#Mönch (4.107 m), Schweiz, Alpen
#Ecrins (4.101 m), Frankreich, Alpen
#Schreckhorn (4.078 m), Schweiz, Alpen
#Gran Paradiso (4.061 m), Italien, Alpen
#Großes Fiescherhorn (4.049 m), Schweiz, Alpen
#Piz Bernina (4.049 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Weissmies (4.023 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Ortler (3.905), Italien, Alpen
Die bekanntesten Vulkane in Europa sind:
- Ätna (italien. Etna) (veränderlich um 3.370-3.400 m), Sizilien, Italien
- Hvannadalshnjúkur (2.119 m, unter dem Vatnajökull), höchster Berg auf Island
- Grímsvötn (1.725 m; unter dem Vatnajökull), Island
- Herðubreið (1.682 m, unter dem Vatnajökull), Island
- Vesuv(io) (ca. 1.200 m), Italien
- Stromboli (ca. 926 m), vulkanische Insel, Italien
- Santorini (Σαντορίνη) (575 m), vulkanische Insel, Griechenland
Klima
Der Kontinent liegt hauptsächlich in den gemäßigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Neapel beträgt beispielsweise 16 °C, während das auf nahezu gleicher Breite liegende New York 12 °C erreicht.
Schwankungen der Temperatur innerhalb eines Jahres sind in den größten Teilen des Erdteils relativ gering. Kühlen Winter stehen milde Sommer gegenüber. Nur in Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stärker. In größten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer Nähe vorwiegend kontinental geprägt. Kalte Winter und heiße Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend.
Durch die Erdrotation und der damit verbundenen ablenkenden Kraft kommen Winde hauptsächlich aus westlicher Richtung. Da in den Küstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjährig zu Regen. In Ost-und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfällt.
Hochgebirge können die Niederschlagsmenge ebenfalls stark beeinflussen. So ist der mittlere Jahresniederschlag nördlich der Alpen deutlich geringer als südlich. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere, durch den es nur wenige Regenfronten schaffen durchzudringen.
In Gebieten nahe des Mittelmeers herrscht überwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, während es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen häufigen Niederschlag mit.
Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im Südosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag.
Bevölkerung
Europa hat mit ca. 730 Millionen Einwohnern nach Asien und Afrika die drittgrößte Bevölkerungszahl aller Kontinente und gehört zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 66/km². Vor allem in West-, Mittel- und Südeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt.
Sprachen
Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen.
Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen, sowie das Romani zählen zu den indogermanischen Sprachen.
Die uralischen Sprachen stellen die zweitgrößte Sprachfamilie Europas dar.
Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend im Menschen im äußersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen.
Hierzu zählen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland.
Im europäischen Teil der Türkei ist mit Türkisch eine altaische Sprache Amts- und Titularsprache.
Andere Turksprachen sind als Minderheitensprachen in Ost- und Südosteuropa verbreitet, so etwa das Gagausische und das Tatarische.
Mit Kalmückisch wird am Ostrand des Kontinents auch eine Sprache des mongolischen Zweigs der Altaisprachen in Europa gesprochen.
Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen Amtssprache.
Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner größeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt.
Darüber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jüngerer Zeit hierher gelangt sind.
Am gebräuchlichsten in Europa ist das lateinische Alphabet, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Mazedonien und Teilen Montenegros) und dem griechischen Alphabet.
Siehe auch: Liste von Sprachen in Europa, Minderheitensprachen in der Europäischen Union, Amtssprachen der Europäischen Union
Religionen
Ca. 75% der Europäer sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox). 7 % sind Muslime (vor allem in Südosteuropa sowie Einwanderer aus islamischen Ländern in England, Frankreich, Deutschland, Italien), außerdem gibt es Juden sowie eine größere Zahl von in jüngerer Zeit aus anderen Teilen der Welt nach Europa gekommener oder neu entstandenener Religionen.
Ca. 18 % der Europäer sind konfessionslos, besonders in den Städten und den ehemals kommunistischen Ländern im Osten, zum Teil aber auch in Deutschland.
Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel, wurde aber im Zuge der "Reconquista" vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrängt. Europäer verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem Maße auch auf anderen Kontinenten (Teile Südostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend säkularisiert.
Städte und Metropolen
Ozeanien
Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Welt, da sie in Zeiten des Imperialismus Zentrum eines großen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier Städte der heutigen Europäischen Union unter den zwanzig größten der Welt, seitdem wachsen die europäischen Städte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier größten EU-Städte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio, Mailand und Neapel belegten noch Platz 13 bzw. 19.
Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts holten die Städte der restlichen Welt, besonders die der Entwicklungsländer, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder São Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und führen jetzt die Tabelle der Welt an.
Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist die in Deutschland übliche Abgrenzung anhand der Gemeindegrenzen, da andere Staaten dies in ihren Statistiken nicht tun (z.B. USA, Frankreich, Australien, Großbritannien). Daher fehlen in der unteren Auflistung der Metropolen polyzentrische Stadtregionen wie Rhein-Ruhr und Rhein-Main in Deutschland oder das oberschlesische Industriegebiet in Polen.
Die europäischen Hauptstädte finden sich in der Liste der Hauptstädte der Welt.
Entfernungen verschiedener europäischer Städte (Alle Messungen sind in Luftlinie angegeben):
- Amsterdam (NL) – Warschau (PL), ca. 1.100 km
- Helsinki (FIN) – Rom (I), ca. 2.200 km
- Belgrad (SCG) – Dublin (IRL), ca. 2.150 km
- Edinburgh (GB) – Hamburg (D), ca. 900 km
- Istanbul (TR) – Lissabon (P), ca. 3.200 km
- Sagres (P) – Ust Kara (RUS), ca. 5.580 km
- Wien (A) – Bratislava (SK), ca. 60 km
Kultur und Bildung
In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit beträgt vier bis fünf Jahre in den meisten, sieben oder acht Jahre in den wenigsten Ländern. Danach folgt meist eine weiterführende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen Ländern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen Ländern gibt es außerdem sehr renommierte Hochschulen und Universitäten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten.
Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele Städte, wie beispielsweise Paris, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. Außerdem besitzen viele Städte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Europas
Für den Menschen war Europa erst die dritte Wahl. Vor etwa 800.000 Jahren soll die Besiedlung durch den Homo antecessor begonnen haben, etwa eine halbe Million Jahre, nachdem Ostasien von Afrika aus besiedelt worden war. Während die Entwicklung des Homo sapiens in Afrika ablief, war Europa die Domäne von Homo heidelbergensis und Homo neanderthalensis. Trotz - oder vielleicht auch wegen - der widrigen Bedingungen durch die Eiszeit sollen diese Menschen vor etwa 100.000 Jahren angefangen haben, die Kultur der Altsteinzeit zu verfeinern. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.
Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterließen ihre Spuren bis heute. In der späteren Antike vereinigte das Römische Reich erstmals das gesamte südliche Europa zusammen mit den anderen Küstenländern des Mittelmeeres in einem Großreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum unter Kaiser Konstantin I. Staatsreligion und wirkt bis heute fort.
Das Mittelalter war geprägt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen und dem alten römischen Kaiser in Byzanz, auf deren beiden Einflussspären die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurückgeht. Missionare verbreiteten das Christentum über Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa christlich wurde. Im westlichen Europa gab es Auseinandersetzungen zwischen von Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die Kirche in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg weite Teile Mitteleuropas.
Seit dem 15. Jahrhundert bauten europäische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit großen Besitztümern in Afrika, Amerika und Asien.
Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur).
Im 18. Jahrhundert setzte die Bewegung der Aufklärung neue Akzente und forderte Toleranz, die Achtung der Menschenwürde, Gleichheit und Freiheit. 1789 kam durch die | | |